Kataraktoperationen bei Patienten mit Diabetes

Ein Diabetes hat Einfluss auf viele gesundheitliche Aspekte bei Patienten. Insbesondere eine Beteiligung der Augen im Zusammenhang mit einer Zuckerkrankheit ist von hoher Bedeutung. Zur Vermeidung von Augenkomplikationen ist eine gute Diabeteseinstellung sehr wichtig. Viele Diabetespatienten fragen sich, ob ihre Erkrankung Einfluss hat auf die Ergebnisse einer Kataraktoperation, auf die Auswahl der zu implantierenden Intraokularlinse sowie auf die möglichen Risiken und Gefahren einer Operation. Nachfolgend möchten wir Sie über Besonderheiten bei Diabetespatienten im Zusammenhang mit einer Kataraktoperation informieren.

WAS VERSTEHT MAN UNTER DIABETES?

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist eine chronische Erkrankung, bei der Störungen im Zuckerstoffwechsel auftreten. Man unterscheidet einen Diabetes Typ I von einem Diabetes Typ II:

  • Beim Diabetes Typ I sind Patienten abhängig von der Gabe von Insulin. Sie leiden an einem absoluten Defizit von Insulin, so dass dieses Hormon in Form von Spritzen oder Insulinpumpen dem Körper zugeführt werden muss.
  • Beim Diabetes Typ II sind Patienten nicht prinzipiell von einer Insulingabe abhängig. Man kann häufig zunächst mit Diäten und Tabletten therapieren. In fortgeschrittenen Stadien ist aber auch hier eine Insulin-Substitution erforderlich.

Neben der medikamentösen Behandlung der Zuckerkrankheit, ist eine regelmäßige körperliche Aktivität sowie eine gesunde Ernährung für Diabetes-Patienten sehr wichtig.
Zur Anpassung einer Diät entwickeln Endokrinologen und Diätassistenten für jeden Patienten maßgeschneiderte Diätpläne.
Ein Diabetes kann natürlich nicht nur schädliche Auswirkungen auf die Augen haben. Aufgrund hoher und/oder stark schwankender Blutzuckerwerte können Schäden an vielen Organen entstehen, wie z.B. den Nieren, dem Herz oder auch dem Nervensystem.

WELCHE SCHÄDEN WERDEN BEIM DIABETES AM AUGE BEOBACHTET?

Abhängig von der Dauer und dem Schweregrad kann ein Diabetes Schäden am Auge verursachen. Am Wichtigsten ist eine mögliche Beteiligung der Netzhaut im Rahmen der Grunderkrankung. Diese wird als Diabetische Retinopathie bezeichnet. Darüberhinaus treten ein Grauer Star (Katarakt) sowie auch der Grüne Star (Glaukom) häufiger auf. Man kann beim Diabetes auch noch an weiteren Augenstrukturen Schäden erkennen. Die innerste Hornhautschicht (das sog. Endothel), die Pupille oder die Iris können mitbefallen sein. Man beobachtet im Verlauf einer Netzhautbeteiligung Glaskörperblutungen oder auch eine Netzhautablösung. Im Zusammenhang mit erhöhten Blutzuckerwerten kann auch eine Erhöhung der Kurzsichtigkeit beobachtet werden. Ursächlich ist eine verstärkte Wasseransammlung in Augengeweben.

Eine Katarakt ist eine zunehmende Eintrübung der Augenlinse. Auch wenn nicht immer eine durch den Diabetes bedingte spezifische Katarakt vorliegt, so wird doch durch die zuckerbedingten gestörten osmotischen Verhältnisse ein Grauer Star häufiger beobachtet. Außerdem tritt er bei Diabetespatienten früher auf. Auch bei Diabetes kann eine Katarakt mit hoher Sicherheit operiert werden, es müssen aber einige spezifische Aspekte berücksichtigt werden.

IST EINE KATARAKTOPERATION AUCH BEI DIABETES MÖGLICH?

Bei einer Kataraktoperation wird die getrübte Augenlinse operativ entfernt und durch eine künstliche klare Intraokularlinse ersetzt. Das Sehen kann durch diesen Eingriff verbessert und häufig komplett wieder hergestellt werden. Heutzutage kann man mit modernen Premium-Multifokallinsen eine gute Sehqualität in allen Entfernungen erreichen. Gegenstände in der Ferne, in den Zwischendistanzen und auch in der Nähe können anschließend scharf ohne Brille gesehen werden.
Patienten mit Diabetes können ebenfalls an einer Katarakt operiert werden. Es müssen aber vor der Operation einige spezielle Überlegungen angestellt werden.

  • Der Patient sollte einen gut eingestellten Zuckerwert aufweisen.
  • Insofern sind vor der Operation Blutanalysen wichtig, um die Stoffwechselsituation gut beurteilen zu können.
  • Besonders wichtig ist die Beurteilung der Netzhaut. Liegen diabetische Netzhautveränderungen vor und wenn ja, sind sie leicht, mittel oder schwer ausgeprägt. Bei Vorliegenden von schweren Veränderungen ist es mitunter notwendig und wenn möglich, zuerst eine Laserbehandlung der Netzhaut durchzuführen. Mitunter wird auch eine Medikamentengabe in das Auge empfohlen.
  • Liegt bei Patienten mit Diabetes ein Makulaödem vor (Wasseransammlung an der Stelle des schärfsten Sehens) vor wird häufig versucht, dieses vor einer Kataraktoperation zu behandeln.
  • Kataraktoperationen bei Diabetespatienten sollten immer mit möglichst geringem chirurgischen Trauma durchgeführt werden. Um nach einer Operation Untersuchungen der Netzhaut zu erleichtern, werden Intraokularlinsen mit einem Optikdurchmesser von mindestens 6 mm oder mehr empfohlen. Auch für evtl. notwendige Laserbehandlungen oder Netzhautoperationen haben größere Linsenoptiken Vorteile, weil der Einblick auf die Netzhaut besser ist.
  • Diabetespatienten weisen nicht selten eine Störung der innersten Hornhautschicht (Endothel) auf. Diese Hornhautschicht muss bei einer Kataraktoperation besonders geschont werden. Dazu wird meist während der Operation eine Substanz in das Auge eingebracht, die sich schützend über die Hornhautinnenseite legt.
  • Häufig kann bei Diabetespatienten die Pupille nicht so gut medikamentös erweitert werden. Daher sollte u.U. mit der Gabe von Augentropfen zur Pupillenerweiterung früher als sonst begonnen werden.
  • Der Chirurg achtet auf eine sichere und vollständige Abdichtung der Inzision, damit eine eventuell notwendige Netzhaut-Laserbehandlung sicher durchführbar ist. Mit den heute üblichen kleinen Inzisionen ist dieser Faktor aber von geringerer Bedeutung.

IST DAS SEHEN NACH EINER KATARAKT-OPERATION GUT?

Nach einer Katarakt-Operation auch bei Patienten mit Diabetes kommt es fast immer zu einer deutlichen Sehverbesserung. Häufig kann die Sehkraft komplett wieder hergestellt werden. Wenn bei Diabetes-Patienten die Augen nicht am Krankheitsbild beteiligt sind können Diabetiker gleich gute Operationsergebnisse wie alle anderen Patienten erwarten. Man muss sich aber immer der Möglichkeit bewusst sein, dass das Risiko des Auftretens einer diabetischen Retinopathie bestehen bleibt (Beteiligung der Netzhaut im Rahmen einer Zuckerkrankheit).
Falls bei einem Patienten mit Diabetes krankheitsbedingte Netzhautveränderugen zu sehen sind, hängt das Operationsergebnis und die Sehkraft nicht nur von der Kataraktoperation ab. Die Erwartungen hinsichtlich eines guten Sehens werden zum großen Teil vom Schweregrad der Netzhautveränderungen mitbestimmt.

  • Patienten mit diabetischer Retinopathie: Bei einer vorliegenden diabetesbedingten Netzhauterkrankung ist die Netzhaut in bestimmten Bereichen geschädigt. Auch wenn die Kataraktoperation komplikationslos verlief, kann das Sehen in diesen Netzhautbereichen gestört sein. Die meisten Diabetiker profitieren zwar deutlich von einer Operation des Grauen Stars, die Ausprägung der Sehverbesserung schwankt aber abhängig vom Vorbefund der Netzhaut. Jeder Fall ist dann einzigartig und ihr Augenarzt wird Sie individuell über Ihre Chancen und Erwartungen aufklären.
  • Patienten ohne diabetische Retinopathie: Wenn keine diabetesbedingten Netzhautveränderungen bestehen, sind die Chancen auf ein gutes Sehen nach einer Kataraktoperation bei Diabetikern sehr hoch.

KÖNNEN BEI DIABETIKERN AUCH PREMIUM-LINSEN IM RAHMEN EINER KATARAKT-OPERATION VERWENDET WERDEN?

Zur Beantwortung dieser Frage muss jeder Patient individuell beurteilt werden. Bei Vorliegen einer Netzhautschädigung wird in der Regel von der Verwendung multifokaler Intraokularlinsen abgeraten. Wenn die mögliche Sehschärfe gut ist, kann durchaus eine torische Linse zur Korrektur des Astigmatismus gewählt werden.

SIND HÄUFIGERE KONTROLLEN ERFORDERLICH?

Neben den normalen Kontrollen nach einer Kataraktoperation sind bei Diabetikern insbesondere regelmäßige Netzhautuntersuchungen mit erweiterten Pupillen wichtig, um diabetesbedingte Schädigungen so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln. Zur Vorbeugung ist insbesondere für das Auge und die Netzhaut eine gute Einstellung der Blutzuckerwerte wichtig.

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